STACCATO: NICHTS FÜR SOUND-ESOTERIKER UND "NUR-HOLZ-FETISCHISTEN"
© Michael Krüger, 2006
Das Design ist unglaublichst, der Sound bombastischst, die Verarbeitung elendigst und die Roadtauglichkeit absolut unpraktischst. Letzteres wird der geneigte Staccato-User aber verschmerzen können. Als nachteilig wirkt sich die lausige Verarbeitung aus (British Elend) sowie die vollkommen überforderte und unausgereifte Original-Hardware.
Immense Lautstärke - wenig Soundvariationen
Aber auch akustisch hat das Kit einige klare Nachteile. Die Drums sind "single headed", also "offen" und ohne Resonanzfelle. Das war in den 70ern auch voll ok - die meisten Drummer haben ohnehin ohne Resonanzfelle gespielt. Beim normalen Kit kann man die ja auch wieder montieren, wenn man wärmere und schwingendere Sounds sucht beim Staccato oder North geht das natürlich nicht. Konstruktionsbedingt ist der Sound natürlich wenig variabel (aber wer erwartet bei einem 70er Vintage-Kit schon akustische Wunder - beim 77er Lotus Esprit vermisst ja auch keiner Klimaanlage und ABS).
Sound-Esoteriker, Feingeister und "Nur-Holz-Fetischisten" werden an Acryl- und Fiberglaskits wenig Freude haben. Nicht zu vergessen: Ich habe auch noch ein "normales" Akustik-Kit und der Vergleich zeigt deutlich: Die Lautstärke dieses Drums ist wirklich immens - gerade im Ü-Raum ist das ganze etwas nervig für die Bandkollegen ;-).
Akustikfelle
Wer den ultra-trockenen "End 70er Sound" sucht, wird ihn beim Staccato 100%ig finden. Ich habe das Kit lange Jahre live gespielt - gut klang es im "Härter-Trocken-Crossover-Segment"- Man bekommt mit dem Kit einen wirklich phantastischen, tiefen und druckvollen Sound hin. Ein 8" klingt eher wie ein 10", ein 10" eher wie ein 12"er Tom etc.
Kessel entgraten
Empfehlung: Die Kesselränder entgraten. Hier haben sich die Konstrukteure nicht die grösste Mühe gegeben. Eine Nacharbeitung garantiert die nötige plane Fellauflage und garantiert damit ein optimales, freies Stimm- und Schwingverhalten.
Felltipp
Fellempfehlung: Ich habe anfänglich auf "Remo Pin-Stripes" bzw. "Evans Hydraulic" (Ölfell) beharrt. North Drums wurden beispielsweise ab Werk mit Remo "Fiberskin" Fellen geliefert (Bassdrum). Für die Bassdrum sind gedämpfte Felle ok - für die Toms eher zweite Wahl, denn die zweischichtigen Felle rauben dem Sound die letzten Obertöne, die vorhanden sind. Einschichtige, dünnere Felle wie "Remo Ambassador" oder die gedämpften "Remo Powerstroke 3" sind die bessere Entscheidung. Mittlerweile gibt es weitaus mehr Produzenten als "REMO" und "EVANS" - früher hatten wir das noch nicht...es war ja Krieg und...(ok...weiter!). Wenn hier jemand gute Felltips hat...einfach ins Guestbook schreiben
Dämpfung
Wichtiger Tip: Den hat mir ein Staccato-Drummer gegeben. Sehr verbluffend. Die Toms nicht mit Moongel, Gaffa-Tape etc. dämpfen. Lasst sie frei schwingen. Schneidet euch 3 cm breite Ringe aus alten Fellen heraus und legt die als Dämpfung auf die Toms. (Ihr kennt das bestimmt von der Snare). Hier erlebt ihr beim Staccato ein echtes akustisches Wunder! Die Toms fangen richtig schön an zu "singen" und "nachzuschwingen", wie man es von Resonanzfellen gewohnt ist.
Digitalwelt
Ich möchte hiermit einige Drummer ermutigen, den Schritt in die E-Drum Welt auszuprobieren, ohne ein komplettes Kit zu kaufen...
What??? Wie bitte??? Was hat das jetzt mit Staccato-Drums zu tun? Ist schon klar, ok, ok...ich meine man könnte auch alternativ eine Strumpfhose über eine “Omo-Tonne” spannen (ältere Konsumenten werden die gigantischen Waschmitteleimer aus den 70ern noch kennen) und Trigger montieren...aber das Auge hört ja mit...;-)
Jaaa! Ich weiss...natürlich kann man gerade sehr kleine Kits als E-Drums umbauen: Rototoms, Timbales, 6“, 8“ Toms mit extrem kurzen Kesseln: Ein kleines “Go-Kit” ist ideal.
Hauptgrund war meine eitle Vision, die Optik des Staccato-Kits mit modernen, variablen Sounds zu kombinieren: Yaw Afram und Roland Bogdahn (Synocopix) suchten einen Drummer für die Umsetzung von Formaganda - einen Drum´n´Bass Liveact mit Bass, Rhodes, Keys, Percussion und Drums. Da die beiden Macher grossen Wert darauf legen, das genau (!) die Drumsounds der CD eingesetzt werden habe ich via Midi-Bulk-Dump die Original-Samples der Drummachines benutzt...nur die Idee live mit einem "Tanzmucker E-Kit" zu bestehen wollte mir nicht ganz behagen: Als ich den beiden mein Staccato-Kit zeigte waren sie sofort begeistert.
Ganz nebenbei: Der Umbau von Akustikfellen auf Gewebefelle geht fix - und umgekehrt natürlich genauso, wenn ihr mal wieder den echten Sound hören wollt. Apropos: In den kommenden Wochen/Monaten lade ich hier eine Soundsammlung mit einzelnen Sample-Sounds vom echten Staccato sowie verschiedenen Patterns und Solis auf die Seite.
Schlagzeugspielen ist wie Rhönradfahren - irgendwie sieht es interessant aus und man kann damit auch einige Leute beeidrucken und live punkten - aber mal ganz ehrlich: Im ganzen Bereich der elektronischen Musik spielen Drums doch eine ähnliche Rolle wie die Weltmeisterschaften im Rhönradfahren (um mal wieder den Schwenk zurück zu bekommen).
Im Studio sind Drummer ganz nebenbei ein Kostenfaktor (nicht nur wegen der vielen Drinks) - abmiken etc...und können sowieso immer nur die drei gleichen Rumpelbeats ;-)
Also letztlich kann man im Digitalbereich eine ganze Menge neues probieren. Ihr könnt euch des leidigen Wasserträgerstatus entledigen und aktiv am Prozess des "Musikmachens" beteiligen - oder eigene Songs machen: Direkt in den Sequenzer drummen - geht mittlerweile..und ihr habt schnell ein paar Demotracks von euren Favorite-Beats. Die interessanteste Geschichte ist das revolutionäre drumming zuhause oder im Studio...also live in den Computer spielen, um eigene Drumtracks aufzunehmen, eigene Songs zu kreieren und vieles mehr. Via "Audio-out" oder besser und flexibler via "Midi" in einen Sequenzer zu drummen und mit "VST-Plugins" bzw. "Tools" wie "Reasondrums" (sehr kompakt - in das sensationelle Reason integriert) oder "BFD" zu arbeiten, offeriert völlig neue Möglichkeiten. Schult auch ungemein da man gleich hört, das der vermeintlich coole Beat vollkommen beschissen klingt und eher den Song ausbremst und im Gegenzug kleine, raffinierte "Fill-ins" den "Aha-Effekt" auslösen. Auch mit relativ wenig Geld kann man in die E-Drum Welt eintauchen. Mit einem älteren Modul z.b. DDRUM 2 oder einem einfachen Interface TMC-6 und mit einfachen Triggern und einem Satz Triggerheads kann man loslegen und erstmal feststellen, ob einem das überhaupt liegt. Wichtiger als interne gute Sounds ist ein Midi-out sowie eine gute Einstellung der Trigger...mehr braucht man hardwareseitig nicht.
Die Frage die sich stellt: Wozu braucht man E-Drums überhaupt? Wozu Schlagzeuger? Warum nicht gleich programmieren? Wozu dieses Essay? Was ist ein Essay? Und: Wozu braucht eine Band überhaupt einen Schlagzeuger?
Einer muß ja schließlich den Bassisten zur Probe abholen, ihm Geld für eine Tüte Hallbliterdosen von der Tanke leihen und dann so laut spielen, daß man ihn nicht mehr hört. Also digital ist schon witzig und wenn man genug davon hat: Einfach wieder die Felle draufziehen, den Basser abholen und wieder "real" drummen!
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| Das Staccato Fortissimo - Bj 1976 - 2006: Die Kessel wurden von Schnecke/Daniel lackiert im Staccato-Weiss (Diamond White), die Aufkleber und Tomlogos habe ich nachgebaut, Bine hat das ganze auf RZ-Level gebracht und im Siebdruckverfahren auf Folie geprintet. Alle Bohrungen für die Tom / Bassdrumhalterungen wurden mit Fiberglasmatten geschlossen. Die Böckchen sind Hayman-Replikas, die ich durch Zufall entdeckt habe. (Original wie die alten Staccato-Böckchen - hat später DW eingesetzt). Das RIMS-System mit Rack und Pearl-Halterungen war die einzige Antwort auf die original miserabel verarbeitete britische Hardware, die extrem rostanfällig und völlig ungeeignet war, die Kessel in Position zu bringen - geschweige denn, zu halten. Beim Finish habe noch 2 Kleinigkeiten geändert: Das originale dicke Kantengummi habe ich durch 10mm breiten Kantenschutz (gibt´s für Motorradverkleidungen - Tip von Schnecke) ersetzt...sieht sensationell aus! Ebenfalls gestört hat mich die Tatsache, das man beim Originalstaccato im Kesselinneren die Schrauben für die Böckchen sieht. Da es zu teuer wurde, schwarze Zollschrauben in der Grösse zu ordern (Zollschrauben sind unglaublich teuer) habe ich die Schrauben und Unterlegscheiben in einer kleinen Metallverdelung in Altona bräunieren lassen - sprich schwärzen lassen. Kostet nen Zehner und der Effekt ist klasse: Die Schrauben sind jetzt nicht mehr sichtbar :-) h ey...Schrauben anmalen? Abspinn, oder was?.Ok, ok...aber so geht´s dann los... | ||||||||||||||||
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Diverse Aufnahmen von 1990 - 2006 mit meinem alten Kit (2x22", 12", 13", 14", 16" - rechte Bassdrum Kanada-Serie) mit verschiedenen Setups mit Simmons etc. Das RIMS-System im Verbund mit Pearl-Halterungen schafft grösste Stabilität.. Auch noch ein paar Pics mitt meinem DDRUM von 1999, Drumheads vom August 2006, OT-Fotos etc. | |||||||||||||||
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