STACCATO: NICHTS FÜR SOUND-FREAKS
Das Design ist unglaublichst, der Sound bombastischst, die Verarbeitung elendigst und die Roadtauglichkeit absolut unpraktischst. Letzteres wird der geneigte Staccato-User aber verschmerzen können. Als nachteilig wirkt sich die lausige Verarbeitung aus sowie die vollkommen überforderte und unausgereifte Original-Hardware.
Immense Lautstärke - wenig Soundvariationen
Aber auch akustisch hat das Kit einige klare Nachteile. Die Drums sind "single headed", also "offen" und ohne Resonanzfelle. Das war in den 70ern auch voll ok - die meisten Drummer haben ohnehin ohne Resonanzfelle gespielt. Beim normalen Kit kann man die ja auch wieder montieren, wenn man wärmere und schwingendere Sounds sucht beim Staccato oder North geht das natürlich nicht. Konstruktionsbedingt ist der Sound natürlich wenig variabel (aber wer erwartet bei einem 70er Vintage-Kit schon akustische Wunder - beim 77er Lotus Esprit vermisst ja auch keiner Klimaanlage und ABS). Sound-Esoteriker, Feingeister und "Nur-Holz-Fetischisten" werden an Acryl- und Fiberglaskits wenig Freude haben.
Misfits - nicht gesellschaftsfähig
Auch bei mir schmälerte die gerine Soundvariabilität, verbunden mit der brachialen Lautstärke, das Vergnügen an diesem Kit. Da ich ein normales Akustikkit habe, bin ich mir der Nachteile natürlich bewusst...und das Staccato-Kit verkam wie auch bei mir zur Requisite....Was macht man nun mit diesem "Fiberglasöltanker", damit er nicht als reines Museumsstück in der Ecke verstaubt? Das fragte ich mich auch - die einzige Antwort - man sieht es ja: Ich habe zuhause ein Edrum zum üben und einspielen - also einfach Gewebefelle montieren, Trigger dazu mit Interface oder Modul verbinden...schon sind die Toms Pads - und das ganze ein E-Kit das die Augen erfreut...
What??? Wie bitte??? Was hat das jetzt mit Staccato-Drums zu tun? Ist schon klar, ok, ok...ich meine man könnte auch alternativ eine Strumpfhose über eine “Omo-Tonne” spannen (ältere Konsumenten werden die gigantischen Waschmitteleimer aus den 70ern noch kennen) und Trigger montieren...aber...ja was aber?.
Hauptgrund war meine Vision, die Optik des Staccato-Kits mit modernen, variablen Sounds zu kombinieren: Yaw Afram und Roland Bogdahn (Synocopix) suchten einen Drummer für die Umsetzung von Formaganda - einen Drum´n´Bass Liveact mit Bass, Rhodes, Keys, Percussion und Drums. Da die beiden Macher grossen Wert darauf legen, das genau (!) die Drumsounds der CD eingesetzt werden habe ich via Midi-Bulk-Dump die Original-Samples der Drummachines benutzt...nur die Idee live mit einem "Tanzmucker E-Kit" zu bestehen wollte mir nicht ganz behagen: Als ich den beiden mein Staccato-Kit zeigte waren sie sofort begeistert.
Leider löste sich die ganze Drum´n´Bass Liveband nach zahlreichen Proben mit 180bpm schneller auf als der Schall. Wirklich schade, weil es eine Riesenband war. Ich war zwar nur als Sideman dabei - von mir kam da aus dem Kreativsektor=0 - aber ich die Musik war einfach klasse...die Tracks von Roland sind der Hammer...mehr unter Syncopix...Aber das Ding werden ja die meisten (Drummer) sowieso kennen. Für mich aber mehr Motivation in der Richtung was zu machen - und das Ruder mehr selbst in die Hand zu nehmen...nach Porno 3.0 mit Tom Wendt und David Nesselhauf folgte OT.
Die Songs von "OT" hab ich mit Reason entwickelt und die Drums in den Sequenzer gespielt und mit dem unglaublichen BFD Drums aufgenommen..hört mal rein - die Songs sind zwar musikalisch auf "Hanni & Nanni" Level ;-) aber rhythmisch und atmosphärisch interessant - die texte und spoken words von Bettina waren die Basis - klingt fett - Tom hat das ganze abgemixt (da sollte man Profis ranlassen...das ist nicht so einfach) ":::OT:::OBERER TOTPUNKT" Via "Audio-out" oder besser und flexibler via "Midi" in einen Sequenzer zu drummen und mit "VST-Plugins" bzw. "Tools" wie "Reasondrums" (sehr kompakt - in das sensationelle Reason integriert) oder "BFD" zu arbeiten, offeriert völlig neue Möglichkeiten. Schult auch ungemein da man gleich hört, das der vermeintlich coole Beat vollkommen beschissen klingt und eher den Song ausbremst und im Gegenzug kleine, raffinierte "Fill-ins" den "Aha-Effekt" auslösen. Auch mit relativ wenig Geld kann man in die E-Drum Welt eintauchen. Mit einem älteren Modul z.b. DDRUM 2 oder einem einfachen Interface TMC-6 und mit einfachen Triggern und einem Satz Triggerheads kann man loslegen und erstmal feststellen, ob einem das überhaupt liegt. Wichtiger als interne gute Sounds ist ein Midi-out sowie eine gute Einstellung der Trigger...mehr braucht man hardwareseitig nicht.
Die Frage die sich stellt: Wozu dann ein Staccato? Wozu braucht man E-Drums überhaupt? Wozu Schlagzeuger? Warum nicht gleich programmieren? Wozu dieses Essay? Was ist ein Essay? Und: Wozu braucht eine Band überhaupt einen Schlagzeuger?
Einer muß ja schließlich den Bassisten zur Probe abholen, ihm Geld für eine Tüte Hallbliterdosen von der Tanke leihen und dann so laut spielen, daß man ihn nicht mehr hört. Also digital ist schon witzig und wenn man genug davon hat: Wieder die Felle draufziehen, den Basser abholen und wieder "real" drummen!
















